Panorama



In der Ehreveranstlatung den tunesisch-deutschen Philosophen Professor Mohamed Turki

28-12-2025 12:48:17

 

Eröffnungsrede von Moncef Slimi, Deutsch-Maghrebinisches Institut für Kultur und Media (MagDe)

 

Meine Damen und Herren,

Seine Exzellenz, der Generalkonsul der Tunesischen Republik, Herr Mustapha Ziri,

Unser hochverehrter Gelehrter, Professor Mohamed Turki,

 

Im Namen der Deutsch-Maghrebinisches Institut für Kultur und Media sowie des Tafakkur-Forums für Dialog und Kultur heiße ich Sie herzlich zu diesem feierlichen Abend willkommen, an dem wir den tunesisch-deutschen Philosophen Professor Mohamed Turki würdigen.

Zu Beginn erlaube ich mir, einige Worte über den Sinn und die kulturelle Bedeutung von Ehrungen zu sagen-ein Begriff, der zugleich historisch verwurzelt und in seiner modernen Verwendung weiterentwickelt ist. Seine Formen, ob individuell oder kollektiv, ideell oder materiell, variieren je nach gesellschaftlichem und historischem Kontext.

 

  •        Ehrungen in der arabischen Kultur

Einst erfolgte die Ehrung oftmals erst posthum—durch Nachrufe, Poesie oder Gebete. Im Laufe der Zeit wandelte sich dieser Brauch, sodass Ehrungen nun auch Lebenden zuteilwerden. Zudem oszilliert die Ehrung im arabisch-islamischen Raum zwischen symbolisch-ideellen und materiellen Formen, eingebettet in soziale, religiöse und kulturelle Vorstellungen.

Wenn ich Andalus A oder die Türkei besuche, fällt mir auf, dass die Zahl der Denkmäler und Skulpturen zu Ehren bedeutender Persönlichkeiten der arabisch-islamischen Geschichte dort ungleich höher ist als in vielen arabischen Ländern.

 

  •        Ehrungen in der deutschen Kultur

Der deutsche Begriff Ehre verweist auf einen sozialen Anspruch auf Wertschätzung und Achtung, vergleichbar mit honour im Englischen oder honneur im Französischen.

 

In Deutschland zählt zu den vornehmsten Formen der Ehrung die Stiftung von Preisen oder Institutionen, die den Namen herausragender Persönlichkeiten tragen, wie etwa der renommierte Goethe-Preis.

Eine besonders eindrückliche Form des Gedenkens richtet sich an die Opfer des Nationalsozialismus: Die sogenannten Stolpersteine verzeichnen auf kleinen Messingtafeln im öffentlichen Raum die Namen von Opfern an den Orten, an denen sie lebten, verhaftet oder ermordet wurden. Sie dienen als Mahnung und als dauerhafte Erinnerung.

 

  •        Ehrung als gesellschaftliche Praxis

Ehrung ist sowohl individuelles Bedürfnis als auch kollektiver Ausdruck gesellschaftlicher Werte. Indem wir eine Person für ihre edlen Eigenschaften würdigen, würdigen wir zugleich jene Werte, die unsere gemeinsame kulturelle Identität prägen und die wir künftigen Generationen vermitteln möchten.

 

In schwierigen Zeiten, in denen soziale Werte erodieren—insbesondere wenn Medienalgorithmen verdeckt destruktive Dynamiken verstärken—kann die Ehrung selbst zu einem Akt gesellschaftlicher Resilienz werden.

 

  •        Entstehung der Idee, Professor Mohamed Turki zu ehren

Seit vielen Jahren beobachte ich mit Interesse die vielfältigen und großzügigen Formen der Ehrung im Nahen Osten und in den Golfstaaten, im Gegensatz zur vergleichsweisen geringen Sichtbarkeit solcher Ehrungen im Maghreb. Zwar gibt es lobenswerte Initiativen, wie jene von Prof. Abdeljelil Temimi in Tunis, die Veranstaltungsreihen der Universität Mohammed V in Rabat oder das Al Wissam Preis für Wissenschaft in Algerien, doch bleiben sie insgesamt rar.

 

  •        Ein prägendes Beispiel aus dem Jahr 2015

Als das Ansehen junger Menschen aus dem Maghreb im Zuge der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015 zu Unrecht kollektiv beschädigt wurde, initiierten wir innerhalb eines Netzwerks tunesischer zivilgesellschaftlicher Organisationen in Deutschland eine Reihe von Ehrungen erfolgreicher tunesischer Frauen als Zeichen des Respekts und der Wertschätzung.

 

In derselben Veranstaltungsreihe zum Jahrestag der tunesischen Revolution (Januar 2016) hielt Professor Mohamed Turki einen Vortrag über Integration, Toleranz und gegenseitigen Respekt- unsere erste gemeinsame Zusammenarbeit.

Ich lernte Professor Turki Anfang 2015 über unseren gemeinsamen Freund, den Historiker Professor Abdelatif Hannachi aus Gabès, kennen, der ihn als Mitglied des Beirats unserer im September 2015 gegründeten Institut (MagDe) empfahl.

 

  •        Überlegungen zu weiteren Ehrungsinitiativen

Oft trug ich den Wunsch in mir, Persönlichkeiten zu ehren, die am Rand des öffentlichen Interesses stehen-Menschen aus schwächeren oder marginalisierten Gruppen. So denke ich etwa an eine Form der Würdigung der ersten Generation unserer Migrantinnen und Migranten, die Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre als Arbeitskräfte aus Tunesien und Marokko in die deutschen Kohle- und Stahlindustrien kamen.

Diese Generation lebt heute oft in einem Spannungsfeld:

Zwischen einem Heimatland, in dem sie Häuser gebaut haben, und einer Familie, deren jüngere Generationen fest im deutschen Alltag verwurzelt sind;

zwischen dem Wunsch, ihren Lebensabend in der Heimat zu verbringen, und der emotionalen Bindung zu Kindern und Enkeln in Deutschland.

 

  •        Mohamed Turki - ein Weg des Wissens

Zur selben Zeit, in der viele als Gastarbeitskräfte kamen, reiste Mohamed Turki als junger Wissenschaftssuchender nach Deutschland. Durch Fleiß und intellektuelle Ausdauer erreichte er eine herausragende akademische Laufbahn, geprägt von einer aufklärerischen und dialogorientierten Geisteshaltung.

Als ich die Idee seiner Ehrung unseren Freunden-Professor Sarhan Dhouib und Professor Abdelatif Hannachi-vorstellte, fand ich große Zustimmung. Die Resonanz wuchs, als weitere Freundinnen und Freunde, Studierende und Bewunderer aus Deutschland und Tunesien hinzukamen.

Da sein Einfluss weit über Deutschland und Tunesien hinausreicht, bedeutete die Beteiligung unseres Freundes Dr. Housamedden Darwish, Vorsitzender des Tafakkur-Forums, eine wertvolle Bereicherung, welche die arabische Dimension im Denken und Wirken von Professor Turki sichtbar macht.

Die Schirmherrschaft der Universität zu Köln verleiht dieser Veranstaltung besondere akademische Würde-verstärkt durch Ihre geehrte Anwesenheit.

 

  •        Schlusswort

Professor Mohamed Turki, der engagierte Philosoph und Intellektuelle, verkörpert ein gelungenes Modell der erfolgreichen und integrierten maghrebinischen Migration in Deutschland.

Sein außergewöhnlicher Weg dient der neuen Generation von Migrantinnen und Migranten-Studierenden wie Fachkräften in Medizin, Ingenieurwesen, Wirtschaft oder Finanzen-als Vorbild.

Das Geheimnis seines Erfolges liegt, wie seine Philosophie zeigt, in der Fähigkeit, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen den Werten der arabisch-islamischen Kultur und der deutschen Moderne herzustellen.

Diese Synthese brachte ihm in Deutschland und seine Heimatland Tunesien hohe Anerkennung und großen Respekt ein.

Und heute sind wir hier, um Sie zu sagen:

Vielen Dank, hochverehrter "المعلِّم"  AL- Moallim (Lehrer).